Snowboarden und Surfen: Hilft das eine für das andere? | Brett.fit
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Snowboarden und Surfen – Hilft das eine für das andere?

Hilft snowboarden fürs Surfen?

Snowboarden und Surfen – Hilft das eine für das andere?

<p class=“p1″>Surfen ist auch nur eine weitere Brettsportart – oder?

Weit gefehlt!

Im Gegensatz zum Snowboarden oder Skateboarden könnt ihr euch nicht aus einer sicheren Position heraus aufs Brett stellen und einfach losfahren. Bis ihr die erste Welle erwischt, die euch einen Ritt ermöglicht, muss noch einiges mehr geschehen! Die Bedingungen müssen stimmen, ihr müsst euch durch die Weißwasserwalzen raus ins Line-up kämpfen, die richtige Welle auswählen, paddelnd an die Peak gelangen und den Take-off stehen.

Deshalb fällt der erste Surfversuch auch für Brettsport-Affine in der Regel eher ernüchternd aus. Gerade wenn man sich aufgrund seiner Begabung fürs Snowboarden (oder Skaten oder Wakeboarden) im Vorteil wähnt, tendiert man leicht dazu, die besonderen Anforderungen des Wellenreitens herunterzuspielen oder sogar vollkommen zu ignorieren. Und so schaut man schnell einigermaßen dumm aus der Wäsche, wenn einen der erste Waschgang erwischt, oder – noch simpler – wenn man, schwankend auf der Planke liegend, einfach keinen kontrollierten Weg ins Line-up findet.

Doch selbstverständlich gibt es zwischen den verschiedenen Brettsportarten auch einige Gemeinsamkeiten, die durchaus den Lernprozess, sobald er denn angelaufen ist, beschleunigen können. Im Folgenden wollen wir uns daher die einzelnen Gesichtspunkte des Surfens und des Snowboardens etwas genauer anschauen.

Basics – die Grundstellung

Beginnen wir mit einer erfreulichen Nachricht: Einer der größten Vorteile, die man durch das Betreiben mehrerer Brettsportarten genießt, ist die Tatsache, dass man bereits an die Grundposition gewöhnt ist. Jeder, der ohne entsprechende Erfahrungen von Skiern aufs Snowboard umgestiegen ist, kennt die Wucht des so kontraintuitiven Gefühls der seitlichen Fortbewegung. Der Körper muss sich erst einmal an die neue Position und die Laufrichtung des Bretts gewöhnen und straft euch zu Anfang nicht selten mit falschen Bewegungsimpulsen, die die vermeintlich „falsche“ Fortbewegungsform korrigieren sollen. Schließlich wurde euer Gehirn euer gesamtes Leben über daran gewöhnt, dass ihr euch „zehenwärts“ bewegt.

Das Snowboarden hat den Vorteil, dass ihr direkt in der neuen Position festgezurrt seid. Nach ein paar Bruchlandungen gibt euer Körper den Widerstand von alleine auf und gewöhnt sich an die Seitwärts-Fahrt. Auf dem Surfboard hingegen müsst ihr euch aus eigener Kraft in die Grundposition begeben, zugleich ist das Zeitfenster für etwaige Probeversuche viel kürzer. Surf-Anfänger, die zuvor noch nie eine Brettsportart betrieben haben, stellt dies natürlich vor eine größere Herausforderung als geübte Snowboarder.

Wasser vs. Schnee

Punkt zwei betrifft das Element, in dem ihr euch bewegt. Zwar ist Schnee grundsätzlich auch nichts anderes als gefrorenes Wasser. Die jeweiligen Eigenschaften unterscheiden sich jedoch erheblich.

Man kann es nicht oft genug betonen: Wasser (insbesondere Meerwasser bei Wellengang) ist in Bewegung! Und: Wasser hat enorme Kräfte, denen ihr beim Surfen ausgesetzt seid!

Während ihr also beim Snowboarden jederzeit seelenruhig durch den Schnee stapfen oder eine Verschnaufpause auf dem nassen Hinterteil einlegen könnt, müsst ihr euch beim Wellenreiten permanent auf das euch umgebende Meer einstellen:

  • Haltet ihr euch in der Impactzone auf?
  • Wie viel Kraft hat das Weißwasser?
  • Gibt es gefährliche Strömungen?
  • In welcher Frequenz und Größe laufen die Sets rein?
  • Steht der Wind onshore oder offshore? Sind die Wellen steil oder flach?
  • Wo beginnt die Welle zu brechen?
  • Wo könnt ihr euch positionieren?

Die schiere Überzahl an Einflussfaktoren macht das Surfen zu einer hochkomplexen Angelegenheit. Neben allen sportlichen Aspekten (Kraft, Ausdauer, Koordination) spielt daher der richtige Blick, das Verständnis der Launen des Ozeans, eine – wenn nicht sogar DIE – entscheidende Rolle!

Gleichgewicht und koordinative Fähigkeiten

  • Ja, für beide Sportarten werden Gleichgewicht und Koordination benötigt.
  • Ja, ihr steht in einer vergleichbaren Position, ihr fahrt enge und weite Turns.
  • Ja, ihr nehmt durch die Verlagerung eures Körperschwerpunkts Einfluss auf Fahrtrichtung und Geschwindigkeit.

Und doch ist vieles anders. Das beginnt schon mit der simplen Tatsache, dass ihr euch beim Surfen zunächst einmal, bäuchlings auf dem Brett liegend, in die richtige Position katapultieren müsst. Dafür ist natürlich ein besonderes Maß an koordinativen Fähigkeiten nötig, zumal die Bewegung auf wackeligem Untergrund in bewegten Wassermassen stattfindet. Es ist beim Wellenreiten viel schwieriger, einen sicheren Stand einzunehmen und zu halten. Zudem wird jeder etwaige Fehler mit dem Ende der Gleitfahrt bestraft, die ihr euch so hart erkämpft habt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass euch das Gleichgewicht, welches ihr beim Snowboarden ausbildet, gar nicht hilft. Außerdem könnt ihr bereits das Einleiten von Turns mit dem Oberkörper üben. Dennoch schnellen die Ansprüche beim Surfen in die Höhe! Das heißt auf der anderen Seite natürlich auch, dass euch jede Art von Vorbereitung, die eure Balance fördert, dabei hilft, beim Wellenreiten eine gute Figur zu machen. Versucht es beispielsweise mit Slacklinen oder mit einem Indo-Board!

Kraft, Ausdauer und Beanspruchung der Muskelgruppen

Beim Snowboarden werden gerade zu Beginn vor allem die Waden- und Oberschenkel- sowie die Hüftmuskulatur beansprucht. Indem ihr die scharfen Rails in den Schnee grabt und Druck ausübt, trainiert ihr den gesamten unteren Körperbereich, der gegen diese Widerstände arbeiten muss. Später, bei ausdauernderen Fahrten und fortgeschrittenen Manövern kommt auch die Rumpf-Muskulatur hinzu.

Wenn ihr mit dem Surfen anfangt, werdet ihr am Anfang vor allem die Beanspruchung eurer Schulter-, Brust- und Rückenmuskulatur bemerken. Das liegt daran, dass ihr euch zunächst einmal an das viele Paddeln sowie das Ausbalancieren des Körperschwerpunkts auf dem Brett gewöhnen müsst. Je mehr Zeit ihr surfend auf einer Welle verbringt, desto stärker werden auch eure Beine belastet.

Grundsätzlich kommt es bei beiden Sportarten auf eine gute Ganzkörpermuskulatur an. Durch die vielfältigen Bewegungsabläufe und das permanente Ausbalancieren des Körperschwerpunkts ist vor allem die sogenannte Tiefenmuskulatur gefragt. Stures Aufpumpen einzelner Muskelstränge im Fitnessstudio bringt euch also weder beim Snowboarden noch beim Surfen wirklich voran – im Gegenteil, riesige, einseitig trainierte Muskeln können die Beweglichkeit sogar einschränken und helfen euch beim Halten des Gleichgewichts nicht weiter.

Fortgeschrittene Snowboarder und Surfer profitieren also vom Training für die jeweils andere Sportart. Wenn ihr zum Surfen übergehen wollt, solltet ihr jedoch zusätzlich an eurer unteren Rücken- und Schultermuskulatur arbeiten!

Fazit – Ja, aber…

Wer bereits vor seinen ersten Surfversuchen Erfahrungen mit anderen Brettsportarten gesammelt hat, kann davon klar profitieren. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen, sich allzu sehr auf die bereits vorhandenen Fähigkeiten zu verlassen.

Gerade ganz am Anfang, wenn es um das Verhalten im Wasser, die Brettkontrolle und das Aussuchen von geeigneten Wellen geht, helfen euch eure Skills nicht wirklich weiter. Sobald ihr eigenständig Wellen anpaddeln könnt und den Take-off sicher beherrscht, werdet ihr aber deutlich die Vorteile eurer Vorerfahrung spüren. Die ersten Turns fallen euch leichter, ihr lernt intuitiver, die Muskeln brennen am Folgetag weniger penetrant.

Außerdem bringt ihr so ganz offensichtlich bereits EINE wichtige Voraussetzung mit: Die Liebe zum Brettsport!

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