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Surf-Forecast lesen – So machst Du es richtig

Surf-Forecast lesen – So machst Du es richtig

<strong>Der Surf-Forecast gehört für die meisten Surfer zur täglichen Lektüre. Regelmäßig checken sie Swell- und Windrichtung, Windstärke, Tide, Wellenabstand und natürlich die Wellenhöhe. Wenn man alle Zutaten zusammennimmt und dann noch eine Prise Kenntnisse über die Surfbedingungen von lokalen Surfspots dazumischt, weiß der erfahrene Surfer meist Bescheid: Wann muss ich wo sein, um den besten Surf des Tages zu finden.

Wenn ihr als Anfänger in einem Surfcamp gelandet seid, könnt ihr euch in der Regel einfach darauf verlassen, an den richtigen Spot mit den passenden Bedingungen gebracht zu werden. Seid ihr erst mal auf eigene Faust unterwegs, sieht das schnell ganz anders aus.

Doch keine Panik: Auch euer alter Surflehrer ist kein überirdischer Wellen-Guru, der mittels Intuition und göttergeschulter Vorsehungskraft Einblicke in die Launen des Ozeans erhält, die uns irdischen Wellenreiter-Noops verschlossen bleiben.

Zum Glück gibt es heute eine Vielzahl an nutzerfreundlichen Forecast-Seiten und -Apps, deren Vorhersagen sich auch als meteorologischer Laie ganz einfach entschlüsseln lassen!

Im Folgenden will ich euch das Ganze anhand der Wellenvorhersage von MagicSeaWeed.com veranschaulichen. Damit ihr nicht darauf angewiesen seid, blind irgendwelche Werte und Punkte abzulesen, gibt es außerdem zum Schluss noch eine kurze aber wichtige Unterrichtseinheit in Sachen Wellenkunde.

 

Fallbeispiel: Der Forecast von MagicSeaWeed.com

(c) Screenshot www.magicseaweed.com

  1. Größe der Brandung

Die Größe der Brandung entspricht der Wellenhöhe und errechnet sich gewissermaßen aus allen anderen Faktoren. Bei guten Forecasts werden zudem die Eigenschaften des jeweiligen Spots (manche Spots brauchen mehr Swell als andere, um zu laufen) mit einbezogen.

 

  1. Größe des Swells

Die Größe der Brandung bzw. der Wellen kann sich durch unterschiedliche Spot-Eigenschaften oder durch den Einfluss lokaler Winde von der Größe des Swells unterscheiden. Es handelt sich hierbei um einen allgemeinen Wert, der nicht nur für den einzelnen Spot, sondern für den gesamten Küstenabschnitt gilt.

Achtung: Brandungs- und Swell-Größe werden nicht in allen Surf-Forecasts getrennt aufgeführt!

 

  1. Wellenperiode

Die Wellenperiode gibt den Abstand zwischen zwei Wellen eines Sets in Sekunden an. Hier kommt euer (neu erlangtes) Wissen um die Entstehung von Wellen zum Tragen: Je länger der Swell bei seiner Wanderung durchs Meer Zeit hatte sich zu sortieren, desto kraftvoller und sauberer sind die Wellen und desto höher ist die Wellenperiode. Starker Wind in unmittelbarer Nähe produziert zwar auch Wellen, jedoch sind diese kraftlos, ungeordnet und eignen sich auch aufgrund fehlender räumlicher Trennung nur bedingt zum Wellenreiten.

Mit Wellen kann man etwa ab einer Periode von 7 Sekunden rechnen. Ab einer 10-Sekunden-Periode spricht man von einem Groundswell (im Gegensatz zum schwächeren Windswell).

Die Wellenperiode schlägt sich auch auf die Wellenhöhe nieder: Je höher die Sekundenperiode, desto eher erreichen die Wellen die angegebene Größe (oder rollen sogar noch größer herein).

 

  1. Swell-Richtung

Nicht jeder Swell wird von jedem Spot aufgenommen. Ein Abgleich der Swell-Richtung mit den Swell-Fenstern der jeweiligen Spots zeigt euch, wo ihr mit Wellen rechnen könnt. Breite Küstenabschnitte und lange Sandstrände haben ein größeres Swell-Fenster als verschlossene Buchten.

 

  1. Windgeschwindigkeit und Windrichtung

Nicht nur weit entfernte Stürme, auch der lokale Wind nimmt Einfluss auf die Brandung und damit die Wellenhöhe! Weht der Wind offshore (landabwärts), brechen die Wellenberge aufgrund der Widerstandskraft erst sehr spät, wenn sie ihre volle Höhe erreicht haben. Zudem bauen sie sich tendenziell steiler auf. Offshore-Wind ist also gefragt!

Als Anfänger kann jedoch auch ein leichtes Onshore-Lüftchen nicht schaden, da in flacher brechenden Wellen mehr Zeit für den Take-off bleibt und der Drop in die Welle weniger rasant  ist. Bei zu starkem Onshore-Wind werden die Wellen jedoch regelrecht von hinten platt-gepustet.

Seitlicher Wind bringt jede Menge Unordnung. Durch die Wahl passender Spots mit entsprechendem Windschutz durch hohe Felsen oder Landzungen kann man diesem jedoch oftmals ein Schnippchen schlagen!

 

  1. Tide

Welcher Wasserstand (High-Tide, Low-Tide oder Mid-Tide) und welche Tiden-Bewegung (auflaufend oder ablaufend) die besten Bedingungen bieten, hängt vom jeweiligen Surfspot ab. Bezieht die Tidenvorhersage also auf jeden Fall in eure Tagesplanung mit ein!

Webseiten für den Surf-Forecast

Zum Schluss noch ein paar Links zu den gängigsten Surfforecast-Seiten – jede einzelne hält Vorhersagen und Informationen zu unzähligen Spots weltweit bereit:

> magicseaweed.com
> windfinder.com
> windguru.com
> surf-forecast.com

Der Aufbau ähnelt in der Regel dem bei MagicSeaWeed. Zudem kennt ihr euch ja inzwischen mit den jeweiligen Werten bestens aus. Viel Spaß beim Entdecken!

 

Hintergrundwissen: Wie entstehen Wellen?

Wellen entstehen durch Wind. Klingt einfach? Ist es aber nicht! Ihr könnt euch das Ganze folgendermaßen vorstellen: Irgendwo auf dem offenen Ozean tobt ein Sturm, der die Wasseroberfläche in Wallungen versetzt. Je stärker der Wind, desto unruhiger das Meer. Durch die Gravitation flacht die aufgewühlte Windsee anschließend wieder ab und die freigesetzte Energie bewegt sich in einer sogenannten Orbitalbahn windwärts voran (nicht das Wasser wandert, sondern Energie wird gemäß des physikalischen Prinzips „Stoß“ von Molekül zu Molekül übertragen) und trifft irgendwann auf einen Küstenabschnitt. Auf dem Weg dorthin hat der sogenannte Swell Zeit, sich zu einzelnen Sets zu ordnen – die Energie wird gewissermaßen gebündelt und sortiert. Das Ganze kann je nach Entfernung einige Tage Zeit in Anspruch nehmen. Trifft der Swell (die Dünung) schließlich auf festen Untergrund, entlädt er sich in Form von Wellen, der Brandung. Diese ist wiederum abhängig von lokalen Begebenheiten, wie dem Wasserstand und der Windrichtung.

Meist verhält es sich auf offener See nicht so eindimensional wie hier skizziert. Es gibt häufig mehr als einen Sturm, der Energien freisetzt, und Windrichtungen können sich innerhalb von Tagen oder sogar Stunden ändern. Man kennt das vom Wetter: Nichts Genaues weiß man nicht! Das gilt vor allem für Vorhersagen, die mehrere Tage im Voraus getroffen werden.

Der Forecast für den jeweils nächsten Tag sowie die generelle Tendenz sind jedoch meistens einigermaßen zuverlässig. Trotzdem empfiehlt es sich, immer mehrere Seiten bzw. Apps zu nutzen und Vorhersagen miteinander abzugleichen. Irgendwann helfen euch dann auch eure eigenen Erfahrungswerte weiter!

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